Hervorgehoben

Blog: Architektur vermitteln

Eine Interviewreihe

Über die letzten Jahre ist die Architektur für mich immer mehr zum Schwerpunkt und auch zur Leidenschaft geworden. Vor einem Jahr hatte ich die Idee eine Interviewreihe zu kuratieren, die auf lange Sicht eine Plattform bieten könnte für die unterschiedlichen Expert_innen in diesem Bereich – von Ausstellungsgestalter_innen und Fotograf_innen bis hin zu Autor_innen, Übersetzer_innen, Fotograf_innen und Marketingexpert_innen.

Das heißt, dass ich in diesem Blog eher weniger zu Wort kommen werde – stattdessen werden andere Expert_innen einen Einblick in ihre Tätigkeiten geben, ihre Ziele beschreiben und aufzeigen wie sie Architekt_innen, Bauträger_innen und Städtebauer_innen – oder auch Städte und Museen – in ihrer Arbeit unterstützen.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und Stöbern! Falls Sie oder Ihre Organisation im Architekturbereich tätig sind und gerne an dieser neuen Interviewreihe teilnehmen würden, freue ich mich über Ihre Email.

Sigrid Ehrmann: Landschaftsarchitektin, Fachübersetzerin, Autorin

Jak Spedding: Interior- und Architekturfotograf

Ute Latzke: Texterin und Kommunikationsexpertin

Serena Comoglio: Dolmetscherin und Übersetzerin

Serena Comoglio: Dolmetscherin und Übersetzerin

Hallo Serena, kannst du deine Tätigkeit kurz beschreiben? Was machst du und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Als Fachübersetzerin und Konferenzdolmetscherin für Italienisch und Englisch hat Kommunikation für mich höchste Priorität. Meine Spezialgebiete sind Kunst, Architektur/Bauwesen und Bahntechnik. Nur durch eine klare Kommunikation können wir unsere Gedanken zum Ausdruck bringen, unsere Wirkung erhöhen und bessere Ergebnisse erzielen. Das gilt sowohl für die mündliche als auch für die schriftliche Kommunikation. In diesem Zusammenhang stehen für mich nicht nur Themen wie Fachsprache und Fachkompetenzen in den jeweiligen Bereichen, sondern auch Kreativität in allen sprachlichen Ausdrucksformen sowie starke kommunikative Kompetenzen im Mittelpunkt. Ich setze mich aber auch für eine barrierefreie Kommunikation ein und biete Untertitelungen für die italienische Sprache. Somit leiste ich meinen Beitrag zu einer Welt, in der Kultur, Kunst und Architektur nicht nur räumlich, sondern auch sprachlich für alle durchgängig zugänglich gemacht werden.

Warum hast du dich für deine Spezialisierung Bahntechnik, Bau und Architektur entschieden? Gibt es besondere Herausforderungen, wenn man in diesem Bereich arbeitet?

Am Anfang meiner Tätigkeit habe ich an Texten aus den unterschiedlichsten Bereichen gearbeitet, habe aber mit der Zeit gemerkt, wie schwer es ist, sich immer wieder in ganz neue Bereiche einzuarbeiten. Die Texte wurden immer komplexer und ich wollte mich auf wenige Bereiche konzentrieren und spezialisieren, um meinen Kund_innen einen Service auf höchstem Niveau bieten zu können. In weiterer Folge habe ich nur mehr Aufträge in diesen Bereichen angenommen und mit großen Unternehmen kooperiert. Dies ermöglichte es mir, einen großen Korpus an Terminologie aufzubauen. Parallel habe ich mein Fachwissen in den jeweiligen Bereichen bei Fortbildungen vertieft, beispielweise habe ich Vorlesungen an der TU Graz besucht und an facheinschlägigen Veranstaltungen teilgenommen.

Als Übersetzerin im Architekturbereich spreche ich nicht nur die Fachsprache – ich beherrsche den Wortschatz der Architektur in seiner ganzen Bandbreite – sondern besitze auch ein umfassendes Verständnis für die Wechselbeziehungen zu anderen künstlerischen und technischen Disziplinen. Darüber hinaus muss eine Fachübersetzerin mit Schwerpunkt Architektur natürlich auch mit den technischen Fachbegriffen zur Beschreibung von Bauelementen, Baustoffen und deren spezifischen Eigenschaften sowie mit den Prinzipien der Konstruktionslehre vertraut sein.

Als Fachübersetzerin für die Bauindustrie unterstütze ich Bauträger, Architekt_innen und ausführende Firmen in ihrem täglichen Kommunikationsbedarf und helfe teure Missverständnisse zu vermeiden. So kann sichergestellt werden, dass alle Beteiligten immer den gleichen Informationsstand besitzen. Dolmetscher_innen/Übersetzer_innen fungieren hier oft als Vermittler_innen zwischen den Baufirmen im Ausland und dem inländischen Bauherrn. Zu ihren Leistungen zählen u. a. die Übersetzung von Schriftverkehr, Telefonkonferenzen, Gespräche vor Ort auf Baustellen sowie auch die Übersetzung relevanter Dokumentationen, die zweisprachig vorzulegen sind. Gleichzeitig kann man auch als Ideengeber_in fungieren, etwa wenn sich im Laufe des Bauprojekts Schwierigkeiten ergeben. Dank des technischen und sprachlichen Fachwissens können gemeinsam mit den Beteiligten sprachliche Lösungsvorschläge erarbeitet werden.

Was ist dein Hintergrund? Kannst du deinen Werdegang bzw. deine Ausbildung kurz schildern?

Den ersten Teil meiner Übersetzungs- und Dolmetschausbildung (Bachelor) habe ich noch in Italien absolviert. Anschließend bin ich nach Graz gezogen und habe hier ein Diplomstudium mit Schwerpunkt Übersetzen und Konferenzdolmetschen gemacht. Da lebenslanges Lernen heutzutage nicht mehr wegzudenken ist und ich mich sehr für das Thema interessiere, bin ich dabei, meinen Master of Science in Wirtschaftspsychologie abzuschließen. Dies ermöglicht es mir, betriebswirtschaftliche Kenntnisse, gepaart mit Beratungs- und Managementkompetenzen sowie psychologischem Know-how zu erwerben. Diese Kompetenzen runden nicht nur mein Profil ab, sondern geben mir noch mehr Instrumente in die Hand, um meine Kund_innen optimal zu betreuen, zu beraten und Barrieren aufzulösen.

Welche Unterschiede gibt es in der Kommunikation zwischen deutsch- und italienischsprachigen Kund_innen und wie kannst du hier als Dolmetscherin Brücken bauen? Kannst du uns ein praktisches Beispiel nennen? 

Ich schiebe ungern immer alles auf kulturelle Unterschiede: In Verhandlungen sind deutschsprachige Partner_innen meistens vorbereiteter und gehen strukturierter vor, während italienische Partner_innen oft blumig und mit Metaphern reden und in Diskussionen auch emotionaler werden. Das stimmt, aber man sollte nicht verallgemeinern, denn ich habe schon so ziemlich alles erlebt. Als Dolmetscherin in Verhandlungen nimmt man oftmals auch eine Moderatorenrolle ein und versucht m. E. die Kommunikation so zu gestalten, dass alle mit den eigenen Kommunikationsabsichten und Spezifika – sei es persönlicher oder kultureller Natur – verstanden werden.

Du arbeitest auch als Übersetzerin – welche Informationen vermittelst du hier und welche Rolle spielen deine Texte im Architektur- und Baukontext? Vermittelst du hier auch zwischen Fachpersonal und Öffentlichkeit?

Bauwerke und urbane Lebensräume im Allgemeinen spiegeln unsere Vorstellungen und Träume von altertümlichen und gegenwärtigen Gesellschaften wider. Nicht selten bringen sie uns zum Staunen, aber vor allem machen sie unseren oft so grauen Alltag bunt. Sie sprechen eine Sprache, die auf unser Unterbewusstsein wirkt. Bedenkt man nun, dass Gebäude der dreidimensionale Ausdruck der Kultur einer Gesellschaft sind, wird rasch klar, dass für die Beschreibung dieser komplexen Phänomene unserer Kultur fachkundige Sprachexpert_innen benötigt werden. Als Übersetzerin für Italienisch, Deutsch und Englisch mit Spezialisierung auf Architektur unterstütze ich Fachplaner_innen, Architekt_innen und Ingenieur_innen dabei, ihren kreativen Prozess auch sprachlich angemessen zum Ausdruck zu bringen – damit die Kommunikation im Rahmen hochinnovativer und nachhaltiger Bauprojekte auch in der Fremdsprache einwandfrei funktioniert.

Und eine letzte Frage: Was sind deine beruflichen Pläne und Ziele für die nächsten paar Jahre? Erzähle ein bisschen von deinen Vorhaben.

Dank einiger Weiterbildungen im Bereich vorproduzierte bzw. Live-Untertitelung möchte ich mich in Zukunft vermehrt auch dem Thema Inklusion im Kunst-, Architektur- und allgemein dem Kulturbereich widmen. Denn barrierefrei heißt, dass nicht nur bauliche Hindernisse beseitigt werden, sondern auch sprachliche wie beispielsweise in Museen: von Audioguides für Führungen mit Audiodeskriptionen und Texten in Leichter Sprache bis hin zur Untertitelung von Filmen, Videos und Medienstationen.

Persönliche Forschungsbereiche aufgrund meiner zusätzlichen Studien sind Themen wie die Arbeitsgestaltung und die Arbeitsanalyse, Eigenschaftsmerkmale und Anforderungsprofile für den Übersetzer- und Dolmetscherberuf sowie Anforderungen an die Führung virtueller Übersetzer-Teams.

www.comoglio.com

Ute Latzke: Texterin und Kommunikationsexpertin

Hallo Ute, kannst du deine Tätigkeit kurz beschreiben? Was machst du und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Ich berate Architekt_innen in Sachen Kommunikation und Text sowie Social Media (Instagram). Einerseits entwerfe ich ganzheitliche Textkonzeptionen für die Website. Es geht darum, meine Kund_innen, ihre Leistungen und Werte mit starken Botschaften und ausdrucksstarken Texten darzustellen. Ganzheitlich meint, dass ich nicht mal eben so Texte schreibe, sondern intensiv mit den Kunden an der Positionierung arbeite. Was auch dazu führt, dass sie sich klarer werden über Fokus und Ziele. Oftmals klingt das bei allen Büros gleich. Andererseits verfasse ich Projektbeschreibungen, Fachartikel, Homestories oder Blogbeiträge. Es geht mir darum, ihre Architektur lebendig und anschaulich zu vermitteln und Leute dafür zu begeistern.

Was ist dein Hintergrund? Kannst du deinen Werdegang bzw. deine Ausbildung kurz schildern?
Ursprünglich wollte ich Grafikdesign studieren, weshalb ich zuvor eine Ausbildung als Typografin gemacht hatte. Ich bin künstlerisch veranlagt und auch als Malerin tätig. Dann wurden es Wirtschaftswissenschaften, warum auch immer… Das Studium habe ich vollendet, obwohl es mir nicht lag. Danach gelang mir der Einstieg in einen Verlag als Redakteurin für ein Fachmagazin über moderne Architektur. Dann lockte mich die „New Economy“ und ich wendete meine Karriere in Richtung Onlineredakteurin beim Handelsblatt.

Das Künstlerische und der Drang in die kreative Freiheit überwogen: Also habe ich mich als Journalistin + Texterin für Corporate Publishing selbstständig gemacht, zunächst für Medien und Agenturen. Etwa 2015 gelang mir der Einstieg als Autorin für Architektur, hier habe ich in führenden Fachpublikationen veröffentlicht. Zurück zur alten Passion! Gleichzeitig fragten immer mehr Architekturbüros nach textlicher Unterstützung bei mir an. Etwa 2020 habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und mich mit textart by ute Latzke auf die Branche spezialisiert.

Warum hast du dich für deine Spezialisierung Architektur entschieden? Gibt es besondere Herausforderungen, wenn man in diesem Bereich arbeitet?

Zunächst interessiert mich das Thema sehr, besonders auch Interior Design. Sich damit zu beschäftigen, macht mir viel Spaß. Es ist eine tolle Gelegenheit, viel „zu sehen“ und die kreativen Macher_innen kennenzulernen.

Auf der anderen Seite ist der Bedarf groß. Die Akteure der Branche tun sich oft schwer, klar und anschaulich zu kommunizieren. Wenn man so will: ihre Story zu erzählen. Texte und/oder Website sollten zur Qualität und Ästhetik der Arbeit passen. Damit sie Interessent_innen ansprechen, begeistern und überzeugen. Das ist oft nicht der Fall, es werden Allgemeinplätze geboten. Vielen scheint auch nicht klar zu sein, dass Fachmedien oder die Mitbewerber_innen eher nicht die Zielgruppen sind, sondern Bauherr_innen und Öffentlichkeit.  Last but least: Architekten_innen erkennen das Potenzial der digitalen Medien wie z.B. Instagram nicht.

Die Herausforderung ist, bei Architekt_innen ein Umdenken zu bewirken, gezielter und vor allem kundenorientierter kommunizieren und mehr aus sich rauszugehen. Dabei unterstütze ich sie.

Besteht noch Vermittlungsbedarf in der Architektur? Wenn ja, welche Aspekte müssten stärker kommuniziert werden? Welche Rolle spielen deine Texte in der Vermittlung von Architektur? 

In jedem Fall! Oftmals lesen sich Texte über Architektur sehr trocken, fachlich überfrachtet und im schlechten Sinne akademisch. Das Besondere und Großartige eines Entwurfs gehen verloren. Und ich vermisse ich das „Sendungsbewusstsein“ der Entwerfer_innen und Planer_innen für ihre Sache. Sogenannte moderne Architektur polarisiert immer noch. Zu denken, „Unsere Gebäude erklären sich von selbst“, ist da wenig hilfreich. Also, warum nicht andere für die eigene Sache begeistern und präsenter sein? Architektur ist immerhin ein großer Eingriff in den (öffentlichen) Raum. David Chipperfield sagte einmal in der SZ-Magazin online: „…Dass die Menschen auf Bausünden so lethargisch reagieren, liegt auch an der Unsichtbarkeit der Verantwortlichen.“ Das trifft es schon.

Also meine Texte und Konzeptionen leisten genau das ;-).

Und eine letzte Frage: Was sind deine beruflichen Pläne und Ziele für die nächsten paar Jahre? Erzähle ein bisschen von deinen Vorhaben.

Wachsen zusammen mit und für meine Kund_innen. Im letzten halben Jahr habe ich mit textart by ute Latzke stark an Sichtbarkeit zugelegt. Mittlerweile kommen Anfragen aus ganz Deutschland sowie auch aus Österreich. Die Entscheidung auf den Fokus Architektur ist also richtig. Jetzt werde ich mein Netzwerk stärker ausbauen. Und ich möchte der Architekturbranche sowie Interessiert_innen weitere Impulse liefern etwa über mein Blog, Gastartikel, Newsletter oder Instagram. Auch mein 10plus1 Interviewformat nimmt Fahrt auf. Als Dienstleisterin muss ich das Thema Sichtbarkeit und die Wege dahin vorleben! Mittelfristig wäre es sinnvoll, Architekt_innen noch mehr zu bieten, denkbar wären z.B. (Schreib)Kurse… Da brüte ich noch.

www.utelatzke.com

Jak Spedding: interior and architecture photographer

Hi Jak, can you start by telling us where you are based and what you do? What do you want to achieve with your work?

I’m an interior and architecture photographer based in Manchester, UK.

From a client’s perspective, I hope that my work is financially rewarding for them and I’m always shooting with the knowledge that if I can help someone grow their business by producing imagery which will win them more work then I have done a good job.

From a personal angle, I want to make work that inspires me to go out and do it again the next day.

What does a typical work day look like for you?

If it’s a shoot day, it will always begin the night before, making sure every battery is charged and all my kit is ready to go. Last minute checks of the weather and sun locations are a regular occurrence, too.

An architectural shoot tends to be a full day and will start with a walk around the space we’re shooting, just seeing if there are any areas which may be different from the original plan or might need extra attention.

Then, all the Pelican cases are rolled out and everything is set up. I shoot using a combination of natural light and flash which can take quite a bit of setting up – the way I work is quite a methodical process, which is one of the aspects of architecture photography I enjoy: in some instances, it’s as much a box-ticking exercise as a creative process.

After any shoot there is always going to be a similar amount of time spent retouching, which involves me sitting in front of a screen making sure every wall is perfectly vertical for far too long.

Can you tell us about your career path? What is your educational background and how did you get started with photography?

I first started taking pictures on a gap year in China as a way to tell stories to people back home and it quickly became a passion.

I hadn’t really made any plans on what I wanted to do when I returned home and, as is the case for many people that age, university seemed like the obvious path, so I enrolled for a BA in Photography. From there I was really lucky that I was allowed to complete my second and third years online, as I got offered an assistant job during the summer of my first year.

After a couple of years assisting in a studio, I started branching out a bit and got quite a few different junior jobs abroad. I got to work in France, Portugal and Germany for a year before returning to the UK to take a full-time studio position.

Four years ago, agency life had stolen most of my creativity so I decided to take the next step and start my own company.

Why did you decide to focus on architecture photography? Was architecture always a passion of yours?

Funnily enough, I wanted to become an architect when I was younger and spent my work experience in school working for local architects.

Sadly, A level physics got in the way of those plans (something which I was told years later wouldn’t have even mattered) and I ended up going down the photography route.

Setting up for myself was a blank slate for me to shoot what I wanted. Agency life basically means shooting whatever is put in front of your camera, so I took my new lease of life to really concentrate on what I wanted to photograph. I’m a massive believer that if you’re passionate about something, you will do the best work – it becomes about more than just putting food on the table.

And one last question: what are your career plans for the next couple of years? Which projects or buildings would you love to photograph?

I think for any company, growth is always quite high on the list. Originally, I wanted to expand the company to employ more staff but my skill set isn’t in being an account manager and I love to be creative, so my growth will be working on larger projects and I would love to pick up more international work.

Before Covid hit, I had just started to find international clients. Sadly, that’s all been pushed back, but luckily there are really interesting things happening much closer to home. The Manchester skyline is changing rapidly at the moment and it’s really cool to be one of the people who gets to document what is happening there.

https://jakspedding.co.uk/

Sigrid Ehrmann: Landschaftsarchitektin, Fachübersetzerin, Autorin

© Diana Schinkoreit

Hallo Sigrid, kannst du deine Tätigkeit kurz beschreiben? Was machst du und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Ich bin freiberufliche Fachübersetzerin und Autorin mit den Schwerpunkten Städtebau, Architektur und Umwelt. Zu meinen Kund_innen zählen neben Fachverlagen, Architekturbüros und Hersteller_innen auch Universitäten und öffentliche Verwaltungen. Meine Tätigkeitsfeldern umfassen zudem beispielsweise Eventmanagement, das Erstellen von Projektanträgen, die grafische Bearbeitung von Dokumenten und die Betreuung von Social-Media-Kanälen.

Mein Wunsch wäre es, mit meiner Tätigkeit ein breites Publikum zu erreichen und baukulturelle Themen auch außerhalb der Fachkreise zu vermitteln. Eine grundsätzliche Sensibilisierung der Gesellschaft für Architektur und baukulturelle Bildung, wie die Architekturhistorikerin und Spezialistin für Bausünden Turit Fröbe es nennt, ist denke ich, was wir als Architekturvermittler_innen anstreben sollten.

Was ist dein Hintergrund? Kannst du deinen Werdegang bzw. deine Ausbildung kurz schildern?

Zum Schreiben und Übersetzen bin ich über einige Umwege gekommen. Nach meinem Studium der Landschaftsplanung an der TU Berlin habe ich einige Jahre als Landschaftsarchitektin und Lehrbeauftragte in Melbourne und Berlin gearbeitet. Dann zog ich in meine jetzige Wahlheimat Barcelona, wo ich als Projektmanagerin eines EU-Forschungsprojektes tätig war. Ich hatte jedoch schon immer eine große Vorliebe für Sprachen und schrieb regelmäßig Artikel für Fachzeitschriften. Irgendwann kamen dann Übersetzungen hinzu und vor fast drei Jahren entschloss ich mich schließlich, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Inzwischen wurden meine Übersetzungen und Artikel unter anderem in den Fachmagazinen Topos Magazine, Baumeister und Bauwelt veröffentlicht.

Was ist für dich der wichtigste Aspekt der Architekturvermittlung – welche Themen müssen unbedingt kommuniziert werden und warum? Gibt es Bereiche der Architektur, die in der Vermittlung vernachlässigt werden?

Wie bereits angemerkt, spielt für mich vor allem der gesellschaftliche und soziale Aspekt der Architektur eine große Rolle. Aufgrund der fortschreitenden Urbanisierung wird Architektur und Städtebau zunehmend an Bedeutung gewinnen. Ich würde mir daher wünschen, dass Alltagsarchitektur, alternative Formen des Bauens oder Co-Creation noch weiter in den Fokus rücken.

Weitere Themen, die mir sehr am Herzen liegen, sind der Klimawandel und nachhaltiges Bauen. Der Bausektor ist weltweit für ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Auch hier hoffe ich, dass unsere Arbeit ein paar Denkanstöße liefern kann.

Welche Gruppen in der Gesellschaft sollten stärker in die Architektur einbezogen werden und wie wäre das zu erreichen? Wie könnte man mehr Menschen zum Mitmachen ermutigen?

Das ist eine gute Frage. Meiner Meinung nach müsste Architektur schon in der Schule spielerisch vermittelt werden. Das Thema wäre ja recht einfach in viele Unterrichtsfächer zu integrieren, egal ob Geschichte, Geographie oder Naturwissenschaften. Zudem gibt es einen eindeutigen Trend hin zu partizipativen Prozessen beim Entwurf und der Planung von architektonischen und städtebaulichen Projekten. Menschen wollen an der Gestaltung ihrer Umwelt teilhaben. Und auch hier ist die Architekturkommunikation von großer Bedeutung.

Und eine letzte Frage: Was sind deine beruflichen Pläne und Ziele für die nächsten paar Jahre? Erzähle ein bisschen von deinen Vorhaben.

Ich befinde mich noch in der Findungsphase meiner freiberuflichen Tätigkeit und möchte auf jeden Fall noch weitere Formen, Architektur, Stadt und Umwelt zu vermitteln, erkunden. Auch die Zusammenarbeit mit anderen Autor_innen, Übersetzer_innen, Redakteur_innen und Kurator_innen macht mir sehr viel Spaß und ich hoffe, dass sich in diesem Bereich noch viele spannende Projekten ergeben. Darüber hinaus engagiere ich mich in verschiedenen lokalen Netzwerken zu den Themen urbane Landwirtschaft und nachhaltiges Bauen. Zudem gibt es hier in Barcelona natürlich eine unglaublich lebendige Architekturszene. Es wird bestimmt nicht langweilig werden.

www.lapinyabarcelona.com