Margit Steidl: Gestalterin und Informationsdesignerin

Hallo Margit, kannst du deine Tätigkeit kurz beschreiben? Was machst du und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?
Ich bin Gestalterin. Mit Leidenschaft und Fokus auf Buchgestaltung. Informationsdesignerin. Mir liegen die Bereiche Kunst, Kultur, Architektur, öffentlicher Raum, Natur, Gesundheit, Technik, Kunden mit Haltung und nachhaltige Zugänge. Und Musik liebe ich sehr. Vielleicht sollte ich eher aufzählen, für welche Bereiche ich weniger Interesse und Gespür habe. 😉 Egal für welches Genre … Ich glaube, dass gute Gestaltung gekonntes Handwerk erfordert, dass es pures Vergnügen sein kann, wertvoll, mit der Fähigkeit, das alltägliche Leben in einer nachhaltigen Art und Weise zu beeinflussen. Ich schätze die Kraft, die Gestaltung haben kann, und ihre Fähigkeit, die visuelle Kultur der Gegenwart zu bereichern.


Was ist dein Hintergrund? Kannst du deinen Werdegang bzw. deine Ausbildung kurz schildern?
Ohne die gesamte Geschichte der letzten mehr als zehn Jahre aufschreiben zu wollen, genügt es zu sagen, dass meine nichtlineare Flugbahn von einer Reihe miteinander verwobener Aktivitäten geprägt war. Angefangen beim Studium Informationsdesign an der FH JOANNEUM Graz über Jobs in Grafikdesign- und Informationsdesignbüros in Italien und Deutschland bis hin zu gesellschaftspolitischem Wirken im Lendwirbel Graz und darüber hinaus. Seit Beginn meiner gestalterischen Laufbahn 2010 habe ich sozusagen viel erlebt und gearbeitet. Studiolo M ist das Ergebnis, der Rahmen, um das zu fassen, was aus diesem Tun entstanden ist und das zu begleiten, was weiterhin entstehen wird. Studiolo M ist (m)ein kleines, unabhängiges Studio, mit Standort in Graz und Osttirol. Um ein breites Design-Spektrum und -Wissen abdecken zu können, arbeite ich gerne kollaborativ mit anderen Gestalterinnen (ja, es sind wirklich großteils Frauen!) zusammen.

Was macht ein gutes Architekturbuch aus? Welche Aspekte werden in der Gestaltung von dir besonders berücksichtigt?
Ein gutes Buch lässt immer Bilder im Kopf entstehen und berührt auf gewisse Art und Weise nachhaltig. Architekturbücher sind davon nicht ausgenommen. Wenn guter Inhalt in schöner Form daherkommt, macht das Blättern und Lesen noch mehr Freude. Mehr Lust und Spaß. Ich lese gerne. Und ich verstehe und behalte das Gelesene und Gesehene gern. Ich bin kein Fan von „über-designten“ Büchern. Es ist spürbar, ob der oder die Gestalter_in Bücher liest oder nicht, finde ich. Ich mag Bücher von Gestalter_innen, die Bücher lesen. 🙂


Welche Funktionen erfüllen die Bücher, die du gestaltest und warum entscheiden sich deine Kund_innen dafür ein Buch mit dir herauszubringen?
Die Funktionen, die ein Buch erfüllen muss, variieren mit dem Inhalt und der Bestimmung. Das Buch im Gesamten ist wichtig. Ganzheitlich an die Gestaltung heranzugehen auch. Format, Gewicht, Haptik, Struktur, Textarten, Typografie, Zweck, Rhythmus, Anmutung, nicht zu vergessen Humor, Harmonie und Gleichgewicht, Klarheit und Einfachheit, wenn sie raffiniert ist … Als Lesen begreife ich nicht allein das Sinn-Erfassen, Texte werden durch verschiedene Schriften verschieden erlebbar. Darum handhabe ich einen sehr achtsamen Umgang mit Typografie – ein Prozess, der schon öfter viel Zeit in Anspruch genommen hat. Außerdem versuche ich zeitgenössische Formensprachen einfließen zu lassen, das Buch aber nicht zu stark an einem grafischen Zeitpunkt zu verankern. „Zeitlos“ ist für mich oft ein Leitgedanke. „Eigenart“ ein weiterer. Die Gestaltung bringt im besten Fall den Charakter des Inhalts zum Ausdruck und nicht einen Trend! Zum Beispiel, führt durch das ganze Buch „Markus Jeschaunig. Line Projects/Linienprojekte“ eine dünne Linie – so akribisch wie das Arbeiten des Architekts und Künstlers ist –, die schlussendlich am Schutzumschlag zum Schlitz wird. Oder das Architekturjahrbuch „Architektur.Landschaft Architecture.Landscape“ hat etwa einen Folienumschlag, der am Cover die Bauten aus der Landschaft ausblendet. Schön gestaltete Bücher sind wie kleine
Architekturen. Ich baue gerne Bücher, sozusagen.


Kannst du den Gestaltungsprozess kurz beschreiben? Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen dir und deinen Kund_innen ab?
Ich werde vom Verlag oder direkt von den Autor_innen angesprochen. Auf das erste Gespräch folgen meistens Texte. Zuerst lese ich also. Ist ein erstes Gefühl für den Inhalt da, spreche ich gerne drüber und beginne zu beobachten und zu sammeln. Bis sich Gedanken und Konzepte formen, die ich mir in ein, zwei Sätzen erklären kann. Ich brauche gute Ideen und Konzepte, von denen ich überzeugt bin, um loszulegen. An denen halte ich dann meistens fest, an diesen Grundgedanken, die für mich das Fundament guter Gestaltung sind. Im Prozess schätze ich Treffen, bei denen beiderseits genügend Zeit zum Austauschen, Diskutieren, Tüfteln und Sich-Finden mitgebracht wird.

Und eine letzte Frage: Was sind deine beruflichen Pläne und Ziele für die nächsten paar Jahre? Erzähle ein bisschen von deinen Vorhaben.
Ein aktueller, kurzfristiger Plan ist, das Design für den Frauentag 2022 in Druck zu bringen. Neongrün und Flieder, das sind dabei die tragenden Farben. Ich mag meinen Bildschirm, wenn er so schön knallig leuchtet. Wie du siehst, Bücher sind das was ich liebe, aber mein Interesse und Arbeiten geht auch darüber hinaus.

Längerfristige Pläne …? Grundsätzliches? Ich lerne immer gerne von lebenserfahrenen Menschen. Autor_innen sind meistens Menschen „mit Flausen im Kopf“. Davon möchte ich liebend gerne noch vielen begegnen. Ich möchte gerne noch mehr Verlage kennenlernen. Ein Traum – ein kleiner
Buchladen. Vielleicht ein „PARK BOOKS“-Shop in Graz, um beim Thema Architektur zu bleiben …

www.studiolo-m.com

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