Serena Comoglio: Dolmetscherin und Übersetzerin

Hallo Serena, kannst du deine Tätigkeit kurz beschreiben? Was machst du und was möchtest du mit deiner Arbeit erreichen?

Als Fachübersetzerin und Konferenzdolmetscherin für Italienisch und Englisch hat Kommunikation für mich höchste Priorität. Meine Spezialgebiete sind Kunst, Architektur/Bauwesen und Bahntechnik. Nur durch eine klare Kommunikation können wir unsere Gedanken zum Ausdruck bringen, unsere Wirkung erhöhen und bessere Ergebnisse erzielen. Das gilt sowohl für die mündliche als auch für die schriftliche Kommunikation. In diesem Zusammenhang stehen für mich nicht nur Themen wie Fachsprache und Fachkompetenzen in den jeweiligen Bereichen, sondern auch Kreativität in allen sprachlichen Ausdrucksformen sowie starke kommunikative Kompetenzen im Mittelpunkt. Ich setze mich aber auch für eine barrierefreie Kommunikation ein und biete Untertitelungen für die italienische Sprache. Somit leiste ich meinen Beitrag zu einer Welt, in der Kultur, Kunst und Architektur nicht nur räumlich, sondern auch sprachlich für alle durchgängig zugänglich gemacht werden.

Warum hast du dich für deine Spezialisierung Bahntechnik, Bau und Architektur entschieden? Gibt es besondere Herausforderungen, wenn man in diesem Bereich arbeitet?

Am Anfang meiner Tätigkeit habe ich an Texten aus den unterschiedlichsten Bereichen gearbeitet, habe aber mit der Zeit gemerkt, wie schwer es ist, sich immer wieder in ganz neue Bereiche einzuarbeiten. Die Texte wurden immer komplexer und ich wollte mich auf wenige Bereiche konzentrieren und spezialisieren, um meinen Kund_innen einen Service auf höchstem Niveau bieten zu können. In weiterer Folge habe ich nur mehr Aufträge in diesen Bereichen angenommen und mit großen Unternehmen kooperiert. Dies ermöglichte es mir, einen großen Korpus an Terminologie aufzubauen. Parallel habe ich mein Fachwissen in den jeweiligen Bereichen bei Fortbildungen vertieft, beispielweise habe ich Vorlesungen an der TU Graz besucht und an facheinschlägigen Veranstaltungen teilgenommen.

Als Übersetzerin im Architekturbereich spreche ich nicht nur die Fachsprache – ich beherrsche den Wortschatz der Architektur in seiner ganzen Bandbreite – sondern besitze auch ein umfassendes Verständnis für die Wechselbeziehungen zu anderen künstlerischen und technischen Disziplinen. Darüber hinaus muss eine Fachübersetzerin mit Schwerpunkt Architektur natürlich auch mit den technischen Fachbegriffen zur Beschreibung von Bauelementen, Baustoffen und deren spezifischen Eigenschaften sowie mit den Prinzipien der Konstruktionslehre vertraut sein.

Als Fachübersetzerin für die Bauindustrie unterstütze ich Bauträger, Architekt_innen und ausführende Firmen in ihrem täglichen Kommunikationsbedarf und helfe teure Missverständnisse zu vermeiden. So kann sichergestellt werden, dass alle Beteiligten immer den gleichen Informationsstand besitzen. Dolmetscher_innen/Übersetzer_innen fungieren hier oft als Vermittler_innen zwischen den Baufirmen im Ausland und dem inländischen Bauherrn. Zu ihren Leistungen zählen u. a. die Übersetzung von Schriftverkehr, Telefonkonferenzen, Gespräche vor Ort auf Baustellen sowie auch die Übersetzung relevanter Dokumentationen, die zweisprachig vorzulegen sind. Gleichzeitig kann man auch als Ideengeber_in fungieren, etwa wenn sich im Laufe des Bauprojekts Schwierigkeiten ergeben. Dank des technischen und sprachlichen Fachwissens können gemeinsam mit den Beteiligten sprachliche Lösungsvorschläge erarbeitet werden.

Was ist dein Hintergrund? Kannst du deinen Werdegang bzw. deine Ausbildung kurz schildern?

Den ersten Teil meiner Übersetzungs- und Dolmetschausbildung (Bachelor) habe ich noch in Italien absolviert. Anschließend bin ich nach Graz gezogen und habe hier ein Diplomstudium mit Schwerpunkt Übersetzen und Konferenzdolmetschen gemacht. Da lebenslanges Lernen heutzutage nicht mehr wegzudenken ist und ich mich sehr für das Thema interessiere, bin ich dabei, meinen Master of Science in Wirtschaftspsychologie abzuschließen. Dies ermöglicht es mir, betriebswirtschaftliche Kenntnisse, gepaart mit Beratungs- und Managementkompetenzen sowie psychologischem Know-how zu erwerben. Diese Kompetenzen runden nicht nur mein Profil ab, sondern geben mir noch mehr Instrumente in die Hand, um meine Kund_innen optimal zu betreuen, zu beraten und Barrieren aufzulösen.

Welche Unterschiede gibt es in der Kommunikation zwischen deutsch- und italienischsprachigen Kund_innen und wie kannst du hier als Dolmetscherin Brücken bauen? Kannst du uns ein praktisches Beispiel nennen? 

Ich schiebe ungern immer alles auf kulturelle Unterschiede: In Verhandlungen sind deutschsprachige Partner_innen meistens vorbereiteter und gehen strukturierter vor, während italienische Partner_innen oft blumig und mit Metaphern reden und in Diskussionen auch emotionaler werden. Das stimmt, aber man sollte nicht verallgemeinern, denn ich habe schon so ziemlich alles erlebt. Als Dolmetscherin in Verhandlungen nimmt man oftmals auch eine Moderatorenrolle ein und versucht m. E. die Kommunikation so zu gestalten, dass alle mit den eigenen Kommunikationsabsichten und Spezifika – sei es persönlicher oder kultureller Natur – verstanden werden.

Du arbeitest auch als Übersetzerin – welche Informationen vermittelst du hier und welche Rolle spielen deine Texte im Architektur- und Baukontext? Vermittelst du hier auch zwischen Fachpersonal und Öffentlichkeit?

Bauwerke und urbane Lebensräume im Allgemeinen spiegeln unsere Vorstellungen und Träume von altertümlichen und gegenwärtigen Gesellschaften wider. Nicht selten bringen sie uns zum Staunen, aber vor allem machen sie unseren oft so grauen Alltag bunt. Sie sprechen eine Sprache, die auf unser Unterbewusstsein wirkt. Bedenkt man nun, dass Gebäude der dreidimensionale Ausdruck der Kultur einer Gesellschaft sind, wird rasch klar, dass für die Beschreibung dieser komplexen Phänomene unserer Kultur fachkundige Sprachexpert_innen benötigt werden. Als Übersetzerin für Italienisch, Deutsch und Englisch mit Spezialisierung auf Architektur unterstütze ich Fachplaner_innen, Architekt_innen und Ingenieur_innen dabei, ihren kreativen Prozess auch sprachlich angemessen zum Ausdruck zu bringen – damit die Kommunikation im Rahmen hochinnovativer und nachhaltiger Bauprojekte auch in der Fremdsprache einwandfrei funktioniert.

Und eine letzte Frage: Was sind deine beruflichen Pläne und Ziele für die nächsten paar Jahre? Erzähle ein bisschen von deinen Vorhaben.

Dank einiger Weiterbildungen im Bereich vorproduzierte bzw. Live-Untertitelung möchte ich mich in Zukunft vermehrt auch dem Thema Inklusion im Kunst-, Architektur- und allgemein dem Kulturbereich widmen. Denn barrierefrei heißt, dass nicht nur bauliche Hindernisse beseitigt werden, sondern auch sprachliche wie beispielsweise in Museen: von Audioguides für Führungen mit Audiodeskriptionen und Texten in Leichter Sprache bis hin zur Untertitelung von Filmen, Videos und Medienstationen.

Persönliche Forschungsbereiche aufgrund meiner zusätzlichen Studien sind Themen wie die Arbeitsgestaltung und die Arbeitsanalyse, Eigenschaftsmerkmale und Anforderungsprofile für den Übersetzer- und Dolmetscherberuf sowie Anforderungen an die Führung virtueller Übersetzer-Teams.

www.comoglio.com

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